Österreich

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In Österreich beginnt der Sultan’s Trail im Zentrum von Wien am Eingang des St. Stephans Doms. Die Glocken des Doms sind aus geschmolzenem Eisen osmanischer Kanonenkugeln. Der Sultan’s Trail verläuft von hier entlang der folgenden Orte: Simmering,Schwechat, Rauchenwarth, Wienerherberg, Trautmannsdorf an der Leitha, Wilfleinsdorf, Bruck an der Leitha, Gerhaus, Rohrau,Petronell-Carnuntum, Bad Deutsch-Altenburg, Hainburg an der Donau, Wolfsthal.

Die Kompass Wanderkarte Nr. 227 (Burgenland) im Maßstab 1:50.000 deckt die gesamten Weg in Österreich ab. Sie ist über den Buchhandel zu beziehen.

Die alternative Route von Wien folgt Sommerein, Breitenbrunn am Neusiedler See, Purbach am Neusiedler See, Donnerskirchen, Oggau am Neusiedler See, Rust und Mörbisch am See an der ungarischen Grenze. Nach dem Passieren der Stadt Sopron kommt der Weg noch einmal zurück nach Österreich (u.a. nach St. Martin) bis er dann zurück nach Ungarn führt und dort weiterverläuft.

Sultansweg in Österreich

Historischer Hintergrund

Die Eroberung Wiens war das Ziel der osmanischen Truppen unter Suleyman dem Prächtigen im Jahre 1529. Nach einer knapp einmonatigen erfolglosen Belagerung zog sich das osmanische Heer wieder zurück. In weiterer Folge kam es zu einer Vielzahl von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich, welche 1683 in die Zweite Wiener Türkenbelagerung unter Kara Mustafa mündete. Sie waren Ausdruck des ab dem 16. Jahrhundert erstarkten Einflusses der Osmanen in Europa, der auch wirtschaftliche, kulturelle und geistesgeschichtliche Konsequenzen hatte. Manche Historiker sprechen deshalb auch für das 16. und 17. Jahrhundert von einem „osmanischen Europa“.

Nicht nur die sgn. Türkenkriege haben bis heute tiefe Erinnerungsspuren in Österreich hinterlassen. Der wirtschaftliche und kulturelle Austausch  zwischen der österreichischen Monarchie und dem Osmanischen Reich, war ebenfalls von großer historischer Bedeutung. Der Sultansweg folgt einer der alten Handels- und Verkehrsrouten zwischen Orient und Okzident. Damit wird der Trail zu einer für das europäische Kulturerbe besonders wichtigen kulturhistorischen Route.

Wien ist der Ausgangspunkt des Sultansweges. Auf alle Fälle empfiehlt es sich, vor dem Start der Fernwanderung einige Tage in Wien zu verweilen, um bei der Erkundung der Stadt auch den vielen osmanischen bzw. türkischen Spuren zu folgen, die bis heute im Gedächtnis der Wiener verhaftet sind. Dabei geht es weniger um kulinarische Beiträge wie Kipferl und Kaffee, sondern auch um das türkische Element als Bestandteil historischer Bauten und des Geisteslebens der Stadt. Wien war immer von osmanischen/türkischen Einflüssen geprägt, bis in die unmittelbare Gegenwart hinein. Als Beispiele dafür können etwa die Capistrani Kapelle der Wiener Stefanskirche, der Türkenschanzpark mit Kosakendenkmal und Türkischem Brunnen, oder der Zentralfriedhof mit seiner türkischen und islamischen Abteilung dienen. Ebenso findet sich etwa in der Nahversorgung der Stadt beredtes Zeugnis für die enge Verbindung zwischen der Türkei und Österreich. Hinzu kommt die demographische Komponente: 2012 wurden in der Wiener Wohnbevölkerung (1.7 Mio EinwohnerInnen) rund 75.000 Personen mit türkischem Migrationshintergrund gezählt.

Auch in anderen Teilen Ostösterreichs sind die Spuren des Osmanischen Reiches unübersehbar und wurden so zu wichtigen Bestandteilen des kollektiven Gedächtnisses. Herausragendes Beispiel dafür ist das Kugeldenkmal in Schwechat oder der sgn. „Purbacher Türke“, ein steinernes Abbild eines Türken auf dem Kamin eines Hauses, das zum Wahrzeichen von Purbach im Burgenland  wurde. Diesen Spuren soll auf dem Sultansweg nachgegangen werden.

Der Routenverlauf

Der Sultansweg beginnt am Wiener Stephansdom und verläuft  Richtung Osten bzw. Südosten durch Teile der österreichischen Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland.

Von der U-Bahnstation Simmering in Wien führt der Trail über die Marktgemeinde Schwechat nach Rauchenwarth und Trautmannsdorf. Im Ort Trautmannsdorf teilt sich der Weg, man kann sich dort entscheiden, ob man den Sultansweg auf der Hauptroute oder auf der sgn. Purbachroute und dann der Balatonroute begehen will.

Tagesetappen auf dem gemeinsamen Abschnitt:

Etappe 1: Wien-Stephansdom – Karlsplatz (Wien Museum) – Belvedere – Arsenal (Heeresgeschichtliches Museum) – Wien-Simmering.

Etappe 2: Wien-Simmering – Wiener Zentralfriedhof – Schloss Neugebäude – Kaiser-Ebersdorf – Schwechat.

Etappe 3: Schwechat – Aichhof – Rauchenwarth – Wienerherberg – Trautmannsdorf/Leitha.

Die Hauptroute, manchmal auch als Klassischer Sultansweg bezeichnet, folgt im Wesentlichen den Flüssen Leitha und Donau. Beides sind ehemalige Grenzflüsse. Die Leitha war lange Zeit die Grenze zwischen Österreich und Ungarn. Im Sprachgebrauch der österreichischen Doppelmonarchie ab 1867 wurde demnach zwischen Cisleithanien und Transleithanien unterschieden. Die Donau war im Römischen Reich lange Zeit der Grenzfluss zu den nördlich davon lebenden Germanen. Der archäologische Park Carnuntum legt hier Zeugnis für ein ehemaliges Römisches Grenzlager an der Donau ab.

Der Weg führt in drei Etappen durch die weiten landwirtschaftlichen Anbauflächen im südöstlichen Teil Niederösterreichs hinunter in das Donautal bei Carnuntum und zu einem beeindruckenden Naturschutzgebiet, dem rund 9,3 Hektar großen Nationalpark Donau-Auen. Ein Besuch des Besucherzentrums Stopfenreuth in unmittelbarer Nähe von Carnuntum lohnt für alle Naturfreunde. Danach verläuft der Weg nördlich und östlich der Hundsheimer Berge durch die Hainburger Pforte, dem Durchbruchstal der Donau zwischen den Alpen und den Kleinen Karpathen. Bei Wolfsthal erreicht der Weg die slowakische Grenze und führt über den Vorort Petrazalka in die slowakische Hauptstadt Bratislava.

Tagesetappen auf der Hauptroute:

Etappe 4A: Trautmannsdorf/Leitha  –  Sarasdorf – Wilfleinsdorf – Bruckneudorf -Bruck/Leitha.

Etappe 5A: Bruck/Leitha – Pachfurth – Gerhaus – Rohrau – Petronell-Carnuntum

Etappe 6A: Petronell-Carnuntum – Bad Deutsch-Altenburg – Hainburg/Donau – Wolfsthal – Grenze Österreich/Slowakei  – Bratislava (Petrzalka).

Die Purbacher Route: Die zweite Möglichkeit, den Sultansweg zu begehen, besteht darin, ab Trautmannsdorf der Purbachroute in den Süden zu folgen. Sie führt über das Leithagebirge hinunter in die Kleine Ungarische Tiefebene zum Neusiedlersee, einem Steppensee, der sowohl auf österreichischen als auch auf ungarischem Staatsgebiet liegt. Der Neusiedlersee ist der größte See Österreichs und wurde aufgrund seiner einzigartigen Flora und Fauna zum UNESCO Welterbe ernannt. 1992 wurden am Neusiedlersee zwei Nationalparks (NP) errichtet: der NP Neusiedler See – Seewinkel und der NP Fertö-Hansag. Am Ostufer des Neusiedler Sees liegt auch Purbach, das als Wahrzeichen den sgn. Purbacher Türken führt, ein Hinweis auf die osmanischen Spuren, die wir in diesem Ort finden. Nach Purbach erreichen wir die burgenländische Hauptstadt Eisenstadt. Von dort geht es südostwärts über den Römersteinbruch St. Margarethen zur Festspielstadt Mörbisch. Weiter südlich davon befindet sich schon die Grenze zu Ungarn, das wir bei Förterakos erreichen. Auf den letzten beiden Etappen (nun bereits auf der Balaton Route) durchqueren wir wieder österreichisches Staatsgebiet, um schließlich nach Köszeg in Ungarn zu gelangen. Damit verlässt der Sultansweg endgültig Österreich.

Tagesetappen auf der Purbacher Route:

Etappe 4B: Trautmannsdorf/Leitha – Sommerein – Breitenbrunn – Purbach.

Etappe 5B: Purbach – Donnerskirchen – St. Georgen am Leithagebirge – Eisenstadt.

Etappe 6B: Eisenstadt – Trausdorf/Wulka – St. Margarethen im Burgenland – Mörbisch am See.

Etappe 7B: Mörbisch/See – Grenze Österreich-Ungarn -Förterakos – Sopron.

Etappe 8B: Sopron – Markt St. Martin

Etappe 9B: Markt – St. Martin – Köszeg.

Organisatorische Hinweise

Der österreichische Sultansweg kann das ganze Jahr begangen werden, in schneereichen Jahren mag es aber insbesondere auf den weiten Ebenen in Niederösterreich und entlang des Leithagebirges oder der Hundsheimerberge zu unangenehmen Schneeverwehungen kommen, die das Passieren erschweren. Insgesamt ist der Weg aber auch für nichtalpine Wanderer gut begehbar, da der Wegverlauf nie über 1000 Höhenmetern liegt. Geprägt ist der Weg durch die vielen landwirtschaftlichen Anbauflächen Niederösterreichs, die Donau, den Neudiedlersee und  die Hügellandschaft des Mittelburgenlandes.

Der Weg ist nicht nur für Wanderer geeignet, auch Radfahrer kommen auf ihre Kosten. Aufgrund der vielen unbefestigten Feldwege wird ein stabiles Trekkingrad oder Mountainbike empfohlen. Insbesondere entlang der Donau und rund um den Neusiedlersee gibt es aufgrund der vielfältigen Fahrradwege in dieser Region ein ausgedehntes touristisches Angebot für Radfahrer (Reparaturwerkstätten, radwanderfreundliche Hotels).

Der Weg ist auf der Hauptroute gut mit Farbmarkierungen und Klebern markiert, auf der Purbachroute sind noch einige Markierungsarbeiten zu erledigen. Der Weg über das Leithagebirge ist unzureichend markiert, die Strecke von  Sopron nach Köszeg noch markierungsfrei. Es  empfiehlt sich aber auch auf der gut markierten Hauptroute die Mitnahme von Landkarten mit kleinem Maßstab, da man auf den vielfältigen Feldwegen leicht die Orientierung verlieren kann. Sie sind über den Online Versand von Freytag&Berndt oder den Kompass Verlag gut bestellbar.

Die oben angeführten (nicht offiziellen) Etappen überschreiten nie wesentlich eine Weglänge von 20 km, das entspricht bei durchschnittlicher Gehleistung etwa 5 Stunden Tagesmarsch. Allerdings sollte man für etwaige Besichtigungen zusätzliche Zeit einplanen. Die Etappen sind so angelegt, dass an Start und Ziel ausreichend Infrastruktur (Unterkunft, Einkaufsmöglichkeiten, Apotheken, Sehenswürdigkeiten) für den Wanderer/die Wanderin zur Verfügung stehen.

Beide Wegverläufe sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln (U-Bahn, Schnellbahnen und Busse) erreichbar, sodass der Einstieg oder Abbruch an vielen Etappenorten gut möglich ist. Ebenso ist die Übernachtung an großen Teilen des österreichischen Sultansweges kein großes Problem. Das Angebot reicht von Hotels über Gasthöfe bis hin zu Pensionen, privaten Zimmervermietungen und Campingplätzen. In der Sommersaison, zu Ostern und zu Pfingsten empfiehlt sich allerdings insbesondere für Gruppen eine rechtzeitige Reservierung der Unterkunft.

Für alle, die gerne ihr Zelt mitführen und wild übernachten möchten: Übernachten im Freien ist nur mit Erlaubnis des jeweiligen Grundbesitzers (Privateigentümer, Gemeinden, Bundesforste) erlaubt, Feuermachen ist grundsätzlich streng verboten.

Schlußbemerkung

Der österreichische Teil des Sultansweges wurde 2010 erstmals begangen. Für die Zeit bis Oktober 2015 ist eine erneute Begehung durch den Autor dieses Textes geplant, welche vorhandene Lücken schließen und zusätzliche Informationen über den gesamten Sultansweg in Österreich sammeln und zur Verfügung stellen wird. (http://www.sultansweg.org – derzeit noch im Aufbau und daher nur über PW zugänglich: steht ab Oktober allen Interessierten zur Verfügung!)

Kontakt

Für Fragen und Information steht ihnen der Autor des Artikels gerne zur Verfügung:

Gerhard Kowař,  gkowar@posteo.de

Dieses Werk bzw. Inhalt steht unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Österreich Lizenz.

 

Die GPS-Koordinaten des gesamten österreichischen Wegabschnitts gibt es im Webshop des Sultan’s Trail.

Der Start in Wien:

Karte von Wien bei Google Maps

 

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